Monthly Archives: April 2005

Wunder”bare” Sprachentwicklung?

Ich will ja kein Pozzimist sein, aber ich bin entsetzt über einige Entwicklungen der deutschen Sprache im Bereich der sexuellen “Neukundenaquise”.

Ein Wort vorweg, bevor man mich jetzt mit bösen Diskussionsrunden und Attacken auf mich losgeht: Dieser Beitrag wird sich nur mit der sprachlichen Ebene dieses Phänomens beschäftigen und ich will bei Gott nicht den moralischen Zeigefinder heben, denn Diskussionen dieser Art gibt es zu genüge und da ich ja gesehen habe, was mein Papst-Artikel schon nach sich gezogen hat, werde ich mich diesem Thema inhaltlich noch nicht widmen (kommt noch). Allerdings ist es schon schlimm genug, was man in diesem Zusammenhang unserer deutschen Sprache antut, denn selbst diese ist nicht mehr gesund, sondern ebenfalls schon ziemlich infiziert und hat schon vor langem das Wörtchen “poz” willkommen geheißen, getreu dem oft gelesenen Satz “poz welcome”!

Es ist nicht nur so, dass diese Tätigkeit sowieso schon bare jeder Vernunft sei, aber muss man dann auch noch das ganze sprachlich auf die Spitze treiben , indem man ein komplett neues Verb dafür aus der Taufe hebt? Ich pozze, du pozzt, er/sie/es pozzt, etc. pp.

Man kann nur hoffen, dass wenigstens die Pozzesivpronomen von dieser Entwicklung verschont bleiben.

Aber es könnte auch positive Auswirkungen haben, denn die Poza-Studie hat unsja gezeigt, wo wir mit unserer Bildung überhaupt schon stehen. Doch dies hat, wenn sich dieser Trend durchsetzt, ein ende, da nun die Schulkinder alleine schon das Alphabet via Hepatitiden am eigenen Leib erfahren können: “Mama, wir haben heute schon das A und C bekommen, morgen geht’s dann weiter mit dem B”.

Und da sitzen sie dann in 20 Jahren im Sommer beim Grillen der Bare-Rips und spielen mit eben jenen Hepatitiden Scrabble, weil Bare-Bi und Ken sowie Pozz-3D ja nur was für die Kleinen ist, verschwinden dann in Zweier-, Dreier- oder Vierergruppen und probieren die verschiedensten Pozzitionen beim Sex durch um am anderen morgen den PC anzuschmeißen und von AOL mit den Worten begrüßt zu werden: “Sie haben gepozzt!”

Doch auch der kulturelle Sektor wird um manche Aufarbeitung alter Stoffe bereichert. So könnte man gut eine Fortsetzung des bekannten Werks von Charles Bukowsky schreiben: Wenn der Pozz-Mann dreimal klingeln. Und auch die Operettebühne könnte neue Arien verzeichnen, da dann die Pozzkustche auf der Bühne einfahren würde, auf der die Protagonistin vergnügt sitz und ihr Liedche trällert: “Ich bin die Christel und gepozzt.” Ganz neue und brandaktuelle Neuerungen wäre jedoch im Kino zu verzeichnen, denn nach dem kürzlich entdeckten New-Yorker Virus wäre ein Revival von 9 ½ Wochen sehr gut denkbar. Die Manequins würden sich in Pozze schmeißen, die Jurisdiktion würde eine neue Straf-Pozzess-Ordnung entwerfen und bei jedem Einkauf würde man an der Kasse gefragt: Zahlen sie mit Karte oder bare?
Also ich werde mir direkt am Montag ein Kondom der Größe XXXL kaufen und damit meinen Duden verpacken, damit ich weiterhin mit einer reinen Sprache hier die Leute NEGGEN kann.

Eva, was hast du uns angetan?

Es gibt Tage im Leben, da möchte man ein Wurm sein; ohne Sorgen, ohne die ewig selbstzugefügte Peinigung der Selbstreflexion, ganz wie seinerzeit in Sans-Souci.

Aber wir haben nun einmal vom Baum der Erkenntnis den apfel gepflückt und ihn uns einverleibt. Das Paradies ist somit verloren und der Rückweg ist verriegelt.

Wie gerne würde man ab und an einfach mal alles um einen herum vergessen und dies dann ohne ein schlechtes Gewissen. Einfach mal kurz den Schalter um- und das ego cogito ad acta legen. Oder vielleicht mal nur ein paar Tage hirntot, allerdings im vollen Besitz aller anderen Fähigkeiten durch die Welt laufen. Man ist sogar teilweise versucht Kinder vor dem Denken zu warnen, wie Eltern dies in Bezug auf’s Rauchen gerne tun: Fang’s gar nicht erst an, sonst kommst du nicht mehr davon los.

Und man kommt nicht davon los, wenn man sich einmal auf die Suche nach den unendlichen Fragen begeben hat – ja man sucht die Fragen, denn Antworten wird man keine finden. Mühsam schleppt man dann immer wieder auf’s neue den Stein hinauf zum Gipfel des Berges um ihn dann doch wieder an sich vorbeirollen zu sehen und unweigerlich fragt man sich dann, was wohl besser sei: “To be or not to be?”

Aber was will man machen, man ist, durch Pandoras Büchse mitten in ein Labyrinth katapultiert worden und findet nun den rettenden Faden nicht, sondern hört hinter jeder Ecke das nächste Fabelwesen lauern, darauf wartend, dass man den Kampf mit ihm aufnimmt.

Doch die allerschlimmste Erkenntnis ist, dass uns dieses Problem nicht von außen aufgetragen wird, sondern wir selbst es sind, die sich freiwillig in diese Situation begeben, wenn wir einmal begonnen haben uns selbst in Frage zu stellen und somit den Grundstein für fast schon kartesianische Zweifelsbetrachtungen gelegt haben, die uns dann an allem Zweifeln lassen, außer an der Tatsache, dass man zweifelt.

Das eigene Denken wird zum tyrannischen Absolutisten, der das Ego unterdrückt und es unter das Joch des ewigen Weiterkommens zwängt. Erkenntnis wird zur Sucht, denn man braucht mehr. Die einzige Hoffnung bleibt darin bestehen, dass man die Aussicht hat Mephistopheles zu begegnen um sich von ihm mit Hilfe eines faustischen Paktes aus diesem Dilemma befreien zu lassen, denn den Stein der Weisen wird man nicht finden.

“Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit.” Tolle Worte Herr Kant, allerdings stimmt das nicht ganz so, wie sie es darstellen, es mag zwar sein, dass dies der Fall ist, wenn man andere für sich denken lässt, denn diese verfolgen nur eigene Interessen und können es in den meisten Fällen doch nicht besser, jedoch kommt man damit nicht gewissermaßen vom Regen in die Traufe? Sind wir nicht selbst die schärfsten Kritiker? Doch und wir treiben uns bis zum Sankt Nimmerleinstag weiter hinein und verlangen immer größere Opfer um unseren Geist ruhigzustellen. Somit ist Auflklärung der Eingang des Menschen in eine selbstverschuldete Vormündigkeit.

Doch das Paradoxe an dieser Erbsünde ist, dass wir sie nicht nur geerbt haben, sondern auch die Pflicht und die Verantwortung haben, diese zu vererben und somit nachfolgende Generationen mit in diesen Strudel ziehen und sie zu Opfern ihrer eigenen Gedanken werden lassen, untätig daneben stehend und sich der ohnmacht bewußt.

Doch was wäre, wenn wir dieser Verpflichtung nicht nachkämen und es doch eine Lösung gibt, die wir nur nicht zu finden in der Lage waren, da wir zu früh aufgaben und uns somit alle Chancen auf die Entdeckung der Hintertüre des Paradises verbaut haben? Dies wäre dann wohl das Ende aller Zeiten, die totale Apokalypse, das ewig währende Chaos.

Somit suchen wir weiter nach dem Gral, dem großen Geheimnis des Lebens, den Antworten auf woher und wohin und werden wohl immer wieder die verlorene Zeit beklagen, die wir unwiederbringbar auf falschen Wegen verbrachten.

Da steh’n wir dann, wir arme Tor’n und fangen wieder an von vorn.

Das bischen Haushalt….

Auf was für bescheuerte Idden man doch in einem schwulen Single-Haushalt doch so kommt.

Man lernt zuallererst, was es heißt aus der Not eine Tugend zu machen.

Ach, ich erinnere mich noch gut an den Haushalt meiner Oma, die wirklich Alles hatte, was bei einem Haus mit 48 Fenstern auch nicht so schwer war. Dort fand man dann vom kartoffelschäler, über den Heizungsentstauber bis hin zum Einweckglas-Gummiring echt die tollsten Sachen, die ihren ganz speziellen Sinn und Zweck erfüllten.

Sowas vermisse ich manchmal auch bei mir, allerdings ist es sehr schwer, einen solchen Haushalt aufzubauen, zumal man ja nicht mit einer vernünftigen Hochzeitsaussteuer rechnen kann, bei der man dann vom braun-grün-gestreiften Waschlappen bis zum Salatbesteck á la Louis XIV alles geschenkt bekommt.

Also muss man sich behelfen!

Man beschränkt sich auf einige wenige Dinge und nutzt diese dann in jedweder Art und Weise, allerdings passieren dann so auch die ein oder anderen, kleineren Missgeschickchen, die dann immer wieder zu lustigen Anektoden führen und somit den Bekanntenkreis erheitern.

Es fängt damit an, dass man sich früher oder später der Diktatur der Verfallsdaten beugen muss (die internationale marxsche Vereinigung des Proletariats ist da ein Scheißdreck gegen). Man öffnet den Kühlschrank und dann singen die Eier – schön aufgereiht in Zweierreihen – schon lautstark: “Völker hört die Signaloe, auf zum letzten Gefecht, jetzt nimm uns endlich heute, denn anders sind wir schlecht!” und muss sich somit dem Oktr”ei” beugen und Rühr-, Spiegel- oder sonstige Eier essen, während man feststellt, dass die Lasagne morgen fällig ist ebenso, wie der Sahnepudding übermorgen. Da man davon jedoch noch vier in den Untiefen des Kühlschrankes hat, stellt man sich auf einen “Dessert-Tag” (nein, das ist nicht dasselbe, wie wenn Jesus in die Wüste geht) ein.

Oder aber man schaut hinein und denkt, es sei Totensonntag, da nix singt oder schreit….

Selbst im Tiefkühlfach steht dann nur das obligatorische Päckchen Rahmspinat, den man sowieso nicht mag und der nur dem einen Zweck dient, das Poppersfläschen dahinter von den neugierigen Blicken, der Mutter beim nächsten Besuch zu verstecken, die es jedoch dann doch findet – wissend, dass man ja kein Spinat mag und das Haltbarkeitsdatum kontrollieren wollend. Diese nimmt dann besagtes Fläschen mit dem Kommentar heraus, warum man denn sein Duftöl im Tiefkühlfach aufbewahre, schraubt es auf, verdreht die Augen und fügt hinzu, es scheine sowieso schlecht zu sein.

Außerdem befindet sich noch eine halbvolle Flasche Balsamico-Essig in der Seitentüre, die nur dem Zwecke dient die Kaffeemaschine zu entkalken. Ja, ich weiß es ist einfach nur dekadent und erzeugt keinerlei Wirkung. *hmpf*

Man nimmt die sachen heraus, zusammen mit der Flasche Prossecco, die ja IMMER da steht, da man ja IMMER mal mit nerhofftem Besuch rechnet und beschließt, das dies nun der beste Moment sei, den Kühlschrank mal abzutauen, zumal eben erwähntes Tiefkühlfach sowieso dermaßen zugeeist ist, dass man nur noch eine einzige Pizza dort unterbekommen könnte.

Dies wird dann zu einem lebensgefährlichen Unterfangen, zumal, wenn man nur das Seepferdchen absolviert hat…. Die Küche steht dann recht schnell unter Wasser und man kommt mit dem Wischen nicht mehr nach.

Während der Kühlschrank tropft, die Kaffeemaschine entkalkt (es macht sich ein Duft von verdampfendem Balsamico breit) kommt man dann auf die Idee, sich schnell noch zwischendurch die Hose mit dem Chlorreiniger, mit dem man gerade die Dusche vom bösen Schimmel befreit, der scheinbar vom Käse herrübergewandert ist, versehentlich zu bleichen und stellt danach fest, dass man mal wieder die weißen Schuhe putzen könnte, die sich mittlerweile als das schwarze Modell präsentieren.

Hierzu kann ich nur einen sehr guten Insidertipp geben: Erkennt die überaus faszinierende Reinigungskraft von Babytüchern!!! Diese sind göttlich. Man bekommt ALLES mit ihnen gereinigt: vom Spiegel, über Schuhe bis hin zum einfachen de-make-up kann man alles mit ihnen anstellen. Es sind die reinsten Zaubertücher!

So, denke, das war für’s erste mal genug, vielleicht schreibe ich ja mal eine Fortsetzung, die sich dann damit beschäftigen wird, warum es nicht sinnvoll ist Poppers als Reinigungsmittel für CD-Laserlinsen zu nutzen (ich hätte mich zu gerne auf die Anlage gesetzt) und über die Gefährlichkeit des Glühbirnenwechsels in einer Wohnung mit hohen Decken (ich hätte zu gerne das Gesicht des Notartzes gesehen, der in ein Bad kommt, in dem ein zusammengebrochener Klappstuhl liegt und direkt daneben ein Schwuler in High-Heels mit einer zerbrochenen Glühbirne in der Hand).

Habemus Papam

Haltet euch fest, die nächste Runde geht rückwärts!
Um genauer zu sein zurück in die Untiefen des Mittelalters.
Wir alle hatten ja mit einer Reaktion gerechnet, ab das sie so reaktionär würde, wer hätte das gedacht?
Naja, es ist soweit: Sein Lebenstraum ist war und Joseph Kardinal Ratzinger darf sich nun Benedikt XVI nennen, obwohl ihm Maledikt wesentlich besser stünde, denn Gutes hat er uns bestimmt nicht zu sagen.
Obwohl wer weiß, wie dieser Name entstanden ist? Man munkelt ja, dass er zwischen Wahlsieg und Auftritt auf dem Balkon (er sah weit aus nicht so gut auf wie Evita Peron damals) noch schnell die Worte “bene deducabat” einem Messdiener zuflüsterte und so auf den Namen kam. Wenn man nun bedenkt, dass dies übersetzt “gut hinabgezogen” heißt, kann man sich denken, dass es sich wohl um eine Belohnung gehandelt hat, die den Wahlsieg “begießen” sollte.

Allein sein Gesicht beim ersten Gruß an SEIN Volk sprach Bände.
Man hatte doch schon auf eine Neuerung in den alten Gemäuern gehofft, irgendetwas liberales oder gar was schwarzes (hätte ein solches Papst eigentlich auch weißen Rauch bekommen?) und jetzt sowas.

Naja, das “Mea Culpa” ist nun wieder vergessen und das “Dominus Iesu” tritt in den Vordergrund (zwei Schriften, an denen der Ratz-Fatzinger mitgewirkt hat, wobei ich denke, dass er erstere sowieso nie ernst gemeint hat).
Doch wer wird jetzt sein Nachfolger im Amt des Prefekten der Glaubenskongregation (übrigens die direkte Nachfolge der Inquisition)?
Ich würde ja dafür Kardinal Meißner vorschlagen, dann können sie beide zusammen die Probleme in der Kirche “ausschwitzen”.

Die einzige Hoffnung, die bleibt, ist die, dass er nur ein Übergangspapst sein könnte und wir bald erneut weißen Rauch (der dann auch so gemeint ist) über den Dächern des Vatikans und der Sixtinischen Kapelle aufsteigen sehen.

In diesem Sinne: Ite, missa est! – Deo Gratias!

Alles für lau?

Also es wird ja immer doller in unserer “Nehmergesellschaft”, wie es unser Kanzler so schön nennt.
Gibt es eigentlich noch etwas, wo man nix gratis dazu bekommt? Muss man sich denn an jeder Ecke auf Nepper, Schlepper und Bauernfänger einstellen?
Es scheint ganz so, als seien die Zeiten, in denen uns der Tag der deutschen Einheit noch 30 Pfennige kostete, endgültig vorbei.
Wer sich heutzutage einen Kulli kauft, bekommt doch gleich den Füller und das passende Etui gratis mit Werbeaufdruck dazu, nachdem er sich morgens an der Bahn schon eine Zeitung umsonst und die zweite zum normalen Preis allerdings mit Croissant und Kaffe zu eigen gemacht hat.
Aber es hat ja auch sein Gutes: Man bekommt’s Geld wieder, wenn der Vitaltrink nicht hilft oder wenn die Bahn sich verspätet ist mindestens ein Garantietickt drin und kann Punkte sammeln ohne Ende (wie gut, dass die natürlichen Zahlen von Natur aus unendlich sind).
Das genialste jedoch sind flatrates jedweder Art. Jetzt kann man auch lustige Konferenzschaltungen mit Freunden machen (allerdings nicht zu zweit, dass gibt böse Rückkopplungen!!!) oder sich während des stundenlangen Gesprächs mal eben gegenseitig zur Seite respektive in die Warteschleife legen. Sowas war früher noch nicht möglich, als man maximal ‘ne Stunde mit Berlin (ja, die meisten telefonieren “mit” Städten, nicht “in” sie) telefonieren konnte, da es sonst zu teuer wird und man nicht unbegrenzt im Internet irgendwelche Sexclips runtersaugen konnte bzw. dies nur von Samstag 0:00 bis Sonntag 0:00 tun konnte und dann schlechten Gewissens, ob der zuhause ablaufenden Prozesse der Predigt des Pfarrers folgte, der mal wieder anmerkte, wie sehr doch unsere Gesellschaft Werte wie Liebe und Achtbarkeit verlottern lasse.

Aber wo soll uns dass hinführen? Werden einem künftig auch bei der KVB Bonusmeilen gutgeschrieben? Werden die Bettler und Penner auf der Straße in Zukunft auch dem Payback-System angegliedert (oder werden sie uns zumindest Quittungen für die Steuer ausstellen)?
Wann führt Aldi endlich eine flatrate (100€/mnt. unbegrenztes Kaufen) ein?
Werden wir eines Tages die gebrauchten Kondome (falls die dann noch wer gebraucht, der BB-Trend scheint ja Mode zu werden) in einem Sammelheft zurckschicken um den Mega-Dildo geschenkt zu bekommen?

Wäre schon eine klasse Umwelt, wo überall “mehr” drin ist, dass weißer als weiß macht. Allerdings wird es weiterhin nicht zu verhindern sein, dass man beim Sexdate nach dem Auspacken weniger findet, als vorher propagiert!

Warum haben eigentlich die meisten ein Problem damit älter zu werden?

Ein Aspekt, der beim kommenden Cologne Pride thematisiert werden soll, ist das Alter.
Ich weiß natürlich, dass ich dies nicht subjektiv bewerten kann, da ich es selber noch nicht erlebt habe, doch die Frage ist doch, warum gerade so viele junge Menschen Angst davor haben alt zu werden.
Es gibt zwei Arten mit dem Alter umzugehen. Die erste wäre es, dass man das Alter verneint, wie es gerade in der schwulen Welt sehr viel tun. Das fängt dann schon bei strikten Altersgrenzen in den Suchkriterien an, so dass man sich im Chat zum Teil schon als 22-jähriger einen “Opa” schimpfen lassen muss und wird dann nach und bnach so weit getrieben, dass wenn man dann irgendwann selbst die selbstgesteckten Grenzen überschreitet, man dann zumindest noch krampfhaft versucht so auszusehen, wenn dies auch oftmals nur beim Versuch bleibt. Dann zwängt man sich in H&M-Shirts (natürlich in S) und blondiert sich die schon licht gewordenen Haare bis zur Unkenntlichkeit, ist täglich stundenlang damit beschäftigt sämtliche Anti-Aging-Produkte aufzutragen, rennt zur Sonnenbank und ins Fitnessstudio (in der Hoffnung, dass es nun, obwohl man es 20 Jahre zuvor nicht geschafft hat, dann doch mit dem Sixpack klappt), gibt ein gerade noch vertretbares Alter auf sämtlichen Internetseiten an (meist jedoch unterschiedlich) und sucht sich Freunde bis 20, die dann meist nur aufgrund der für sie kostenlose Getränke und somit des billigen Vergnügens wegen mit einem die Zeit verbringen.
Aber was hat man davon? Man wird von vielen belächelt und nicht wirklich ernst genommen, da man sich und seine gewonnene Lebenserfahrung ja selbst auch nicht ernst nimmt.
Da ist mir die zweite Variante durchaus lieber. Die, in der man sein Alter bejaht und vielleicht sogar stolz ist, da man schon so einiges erfahren durfte und vieles erreicht hat. Wenn man auch zur kleinsten Falte steht, da man genau weiß, dass man sie nur hat, weil man gelebt hat. Man kann mit seinem Alter auch produktiv umgehen, indem man sein Wissen, seine Erfahrungen an die nachkommende Generation weitergibt, sie vielleicht auch mal auf Fehler aufmerksam macht und ihr zeigt, wohin diese führen können, was man jedoch nicht mit der leider auch oft zu findenden Intolleranz und Überheblichkeit tun sollte. Dass man trotz des Alters vor Neuem nicht zurückschreckt und sich von der Jugend inspirieren lässt (was nicht gleichzusetzen sei mit stupidem imitieren). Dass man mehr darauf schaut, was man schon erreicht hat, statt sich von dem runterziehen zu lassen, was man noch nicht erreichen konnte, ist genau so wichtig, wie die Ziele nicht aus den Augen zu verlieren, nur weil man denkt, man gehöre zum alten Eisen.
Also meine Erfahrung mit dem Älterwerden ist, dass ich bisher immer den Eindruck hatte “im richtigen” Alter zu sein und ich denke und hoffe, dass dieses Gefühl weiterhin bestehen bleibt.
Auch vor einer Vereinsamung im Alter habe ich keine Angst, denn wenn man selbst mit sich im reinen ist, muss man auch keine Angst haben einsam zu sein, da man dann immer wieder auf ein breites Netz von Freunden und Bekannten zurückgreifen kann, die mit einem alt geworden sind und mit denen man schon so einiges durchgestanden hat. Diese fehlen nämlich meist im ersten Fall, da man ja mit ihnen nichts mehr zu tun haben möchte, weil man über diese auf’s eigene Alter schließen könnte.
Zudem ist es ein riesengroßer Unterschied, ob man alleine lebt oder einsam ist, auch wenn viele das eine mit dem anderen zwingend zu verknüpfen suchen.

Also:
Genießt das Leben ständig,
ihr seid länger tot als lebendig!

Ironie “Heute”

Ich bin entsetzt!!!
Habe heute die öffentlich-rechtlichen Nachrichten gesehen und musste feststellen, dass selbst deren Berichterstattung und vor allem die gelesenen Informationen nicht mehr neutral und rein auf Fakten beschränkt sind.
Statt der erwarteten, leicht einschläfernden, monotonen Stimme, die mit gleichbleibender Sonorität die Neuigkeiten herunterbetet, hat nun auch eine leicht wertende Intonation und minimale Mimik Einzug in Tagesschau und Co. gehalten.
Ironie und findige Wort-Bild-Kombinationen versüßen einem nun das täglich verkündete Leid.
Von unserem Parlament ist man ja schon länger gewohnt, dass es sich mehr nach Hännesjen-Theater denn nach seriöser Legislativversammlung anhört, aber wenn jetzt selbst die Tagesschau beginnt in der Verlesung der Nachrichten eine Wertung mit einzuflechten, dann sehe ich Schwarz (was man bei der momentanen Politik für die nächste Periode (obwohl diese ja wiederum von Natur aus rot ist) sehr stark sehen kann).
Da wird dann der Vorschlag der Agentur für Arbeit zur “tollen Idee” und mit einem kurzen und kaum merkbaren Augenverdrehen der adretten Nachrichtensprecherin quittiert und in der MAZ zur französischen Debatte im Parlament wird der Premier gezeigt und just in dem Moment als er sich im Sprechakt mit dem Oberkörper leicht nach vorne beugt, vernimmt man die Worte, er bringe sein ganzes Gewicht in die Diskussion.

Naja, ob das noch so seriös und neutral ist wie zu den Zeiten, als uns noch großväterliche Halbgreise mit hässlichen Brillen von der Form der Nachrichten ablenkten und man somit motiviert war dem Inhalt der Darstellung zu folgen?

So, das war’s erst mal wieder…