Der Mai ist gekommen…

Ja, es ist soweit: Der langersehnte Frühling ist da. Die Blumen blühen, die Sonne scheint, es wird wäremer, sämtliche Stengel streben gen Himmel und nicht nur die Tierwelt wird Sklave ihrer Hormone. Das große Werben hat begonnen.

Schnell läuft man zum Friseur um sich einen neuen Look verpassen zu lassen, kommt nach Hause und stellt mit erschrecken fest, dass Orange ja dieses Jahr gar nicht mehr in ist. Also wieder in die Stadt und einkaufen. Dann mit mehreren Kisten und Tüten ins nächstgelegene Café mit Außenbestuhlung und schauen, was der Frühling denn so Neues mit sich bringt, wobei man natürlich nicht vergessen darf über die Ewig-wintrigen zu lästern.

Da sitzt man nun einsam rum, rührt in seinem Milchkaffee und im Körper geht’s rund, nur weiß man nicht wohin mit dem jugendlichen Esprit, der nach langem Winterschlaf jetzt durch die Sonne wieder exhumiert wird. Man erinnert sich an den guten Vorsatz für’s neue Jahr, dass man das nächste Weihnachten nicht alleine verbringen möchte, schaut auf die Uhr und bemerkt, dass das erste erfolglose Quartal dann doch schon verstrichen ist.

Also ab nach Hause und schauen, wie man es am besten hinbekommen könnte. Erster Gedanke: “Warum groß Mühe machen, wenn man doch auf einen Adressbestand zurückgreifen kann?” Fehlanzeige! Denn nachdem man Handy und eine handvoll Visitenkarten inspiziert hat, stellt man mit bedauern fest, dass die einzigen Nummern, die einem etwas sagen, verflossene Liebschaften, gute Freunde oder absolute Freaks sind. Was bleibt ist eine Liste mit unter ihrem Nickname gespeicherten Personen, die diesen jedoch während winterlichen Kreativitätsphasen geändert haben, sowie eine handvoll Chris, Steph/fans, Michaels und sonstiger Namenssammelbegriffe. Man stellt mit Entsetzen fest, nachdem man nun, da man sie ja eh unter die Lupe genommen hat, die überflüssigen Nummern gelöscht hat, dass man ja doch keine 400 Freunde hat.

“Wenn man also momentan nichts Konkretes für sein Glück tun kann, so kann man es wenigstens begünstigen”, denkt man sich und beginnt den Frühjahrsputz, da man ja, auch wenn man dies vor Freunden immer lächeln verneint, doch die Angst hat, dass Feng-Shui Auswirkungen haben könnte. Man glaubt zwar nicht dran, aber sicher ist sicher. Somit wird dann der alte Staub bis in die kleinste Ritze verfolgt und man stellt sich noch schnell einen frischen Strauß Schnittblumen in die Partnerschaftsecke. Danach dann noch schnell zum Fitnessstudio, weil diesen Sommer will man den Sixpack dann doch endlich mal hinbekommen und nicht mitte Juni verzweifelt aufgeben und wenn man dies dann hinter sich hat, noch schnell auf den Toaster.

Wieder zuhause angekommen stellt man fest, dass bei diesem schönen Wetter nichts los ist im Netz und schlussfolgert daher, dass “Mr. Right” sich gerade in dieser Stunde irgendwo da draußen aufhält und nur darauf wartet, dass man ihm über den Weg läuft. Doch was soll man jetzt unternehmen?

Man könnte Inlinern, was man jedoch wieder verwirft, da man einerseits nicht den Eindruck erwecken will unsportlich zu sein, andererseits auch nicht an “Mr. Right” vorbeirauschen will, ohne ihn überhaupt wahr zu nehmen und somit an der Frage des Fahrtempos scheitert.

Wenn man jetzt doch nur einen Hund hätte, denn da war doch kürzlich diese Reportage im TV, die zeigte, dass Kinder und Hunde gute Möglichkeiten bieten jemand kennenzulernen. Man überlegt, welchen Bekannten man fragen könnte um sich einen Hund zu leihen, verwirft diese Idee jedoch dann auch recht schnell, da man zum einen das Image nicht verletzen und zum anderen keine weitergehenden Verpflichtungen späterer Hundesitternachfragen eingehen möchte.

Somit bliebe dann ein gewöhnlicher Spaziergang bei dem man dann vielleicht auf einer Bank unterwegs Rast machen könnte und auch endlich mal wieder Zeit bekäme etwas zu lesen. Doch welches Buch nimmt man mit, ohne “Mr. Right” einen falschen Eindruck von sich zu geben, denn er könnte ja durch Zufall auf das Cover schauen. Was Triviales? Dann denkt er man sei wie alle anderen. Ein Fachbuch? Erweckt den Eindruck eines Workaholic. Einen Lieberoman? Etwas sehr verzweifelt. Krimi? Klingt nach Tatort-Gucker. Weltliteratur? Etwas arrogant und er könnte feststellen, dass man nichts davon verstanden hat. Somit verwirft man auch diese Idee und stellt fest, dass man aufgrund der ungewohnten Temperaturen ohne etwas zu tun schon schwitzt und beschließt kurzerhand zuerst noch einmal schnell unter die Dusche zu springen, da man ja nicht verschwitzt unter die Augen des Angebeteten treten will.

Nachdem man sich nun gereinigt, gepudert, gecremt, intimrasiert und einparfümiert hat, kommt man nun aus dem Bad und stellt mit großen Augen fest, dass es draußen mittlerweile zu dämmern begonnen hat und es mittlerweile dann doch zu spät ist, da “Mr. Right” mittlerweile garantiert nicht mehr an der frischen Luft anzutreffen ist. Aufgetakelt wie eine Nutte in der Karwoche tippelt man frustriert zum Kühlschrank, nimmt sich die halbvolle Flasche abgestandenen Proseccos, eine Tüte Chips und pflanzt sich vor den Fernseher, greift zum Telefon, ruft Mutti an und wühlt sich im Selbstmitleid. Nachdem man nun ganz in seine Depression versunken ist und von dem Prosecco auch nichts mehr geblieben ist, geht man zu Bett und nimmt sich vor, dass man morgen alles anders machen werde…

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