Absolute Absolution

Wie mir jetzt zu Ohren gekommen ist, werden zum Weltjugendtag, der ja bekanntlich in gut 4 Wochen in unserer Domstadt stattfinden wird, zwei komplette Messehallen der Deutzer Messe mit Beichtstühlen ausgestattet, da man beim letzten Weltjugendtag die Erfahrung machen durfte, dass die vorgesehenen Beichtkapazitäten bei Weitem nicht ausreichten.

Da schaue ich doch mal schnell auf den Kalender um mich zu vergewissern, dass ich mich wirklich im 21. Jahrhundert befinde. Glauben die jungen Gläubigen wirklich daran, dass man mit 5 Ave Maria und 2 Vater Unser von den Sünden befreit wird? Ist ein begangener Fehler weniger schlimm, wenn man sich einen darauf runterbetet?

Ich denke, dies ist ein archaisches Machtinstrument der Kirche, die gerne die Allegorie des Fegefeuers ausrollt und diesen Teppich dann groß und breit an die Wand hängt um dem kleinen Christen das Mark im Knochen gefrieren zu lassen, in Anbetracht der Hitze die ihn nach seinem Tod erwartet, wenn er nicht zur Herde als reuiges Schaf zurückkehrt.

Ich will bei Gott nicht jetzt den Antichristen oder gar den personifizierten Mephistopheles spielen, der das Böse bewirbt, allerdings kann ich der Definition von Sünde im römisch-katholischen Sinne nichts abgewinnen.

Die Beichte hat zwei schwerwiegende Konsequenzen. Einerseits schürt sie die Machtposition der Kirche in Fragen der Ethik und Moral und gibt ihr die Möglichkeit Dogmen aufzustellen, die nicht mehr hinterfragt werden dürfen und andererseits macht sie es dem Gläubigen einfach, seine Fehler und Sünden zu verharmlosen, da diese ja durch ein paar dem Pfarrer entgegengebrachte Worte wieder ungeschehen gemacht werden können.

Dies ist die blanke Prostitution amlösungsorientierten Konfliktmanagement, da Fehlverhalten nicht analysiert und reflektiert wird, sondern einfach in den Beichtstuhl getragen und mit ein paar gemurmelten Gebeten bezahlt wird. Wäre es nicht sinnvoller sich voller Stolz hinzustellen und zu seinen Fehlern zu stehen, die man gemacht hat. Sich ihrer bewußt werden und versuchen angerichteten Schaden zu begrenzen oder wieder gut zu machen ist meines Erachtens sinnvoller als das Durchlaufen eines längst überfälligen Ablassprozesses. Wir alle sind menschlich und somit nicht unfehlbar, daher kann es auch nichts Schlimmes sein, wenn man Fehler begeht. Warum diese also beichten? Verzeiht der gnädige Gott nur denen, die ihr Verhalten dem Pfarrer, der meist selbst keine weiße Weste trägt, offen zutage legen, damit dieser dann ein weiteres Argument in der hand hält, warum man selbst ein so schlechter Mensch sei, der auf Besserung harre? Oder haben wir doch einen strafenden Gott? Wenn dem so ist, was sollte eine Beichte dann nutzen?

Was ist sinnvoller? Einen Fehler zu begehen, ihn zu erkennen, darüber zu reflektieren und sich vorzunehmen ihn in Zukunft zu vermeiden oder ihn immer wieder zu begehen wissend, dass eine Beichte ihn im Nachhinein auslöscht wie das Wasser das Feuer?

Wo liegt der Unterschied zwischen dem Bildnis der Hölle und der Gehirnwäsche von Scientology? Wie lange dauert es noch, bis der Ablasshandel wieder eingeführt wird? Gibt es denn wirklich das ultimative Gute und Böse oder kann sich nicht im Nachhinein das Böse vielleicht als gut herausstellen?

Und über was dann dort gebeichtet wird: Onanie, Homosexuelle Gedanken, Notlügen, die zerbrochene Tasse und das Bonbon in der Fastenzeit werden zu großen Fehlern und gravierendem Versagen aufgebauscht. Denn die wirklichen Sünden werden nicht im Beichtstuhl behandelt.

Wie kann man einer Institution erlauben, solche Bagatellen zu verurteilen, die sich selber soviel hat zu Schulden kommen lassen und doch die Dreistigkeit besitzt Sünden, Vergehen und Morde von mehreren Jahrhunderten mit einer einzigen Bittschrift abzuhandeln und mit einem Reueakt namens “Mea Culpa” alles zu verzeihen, was sie in ihrere langen Historie zusammenintrigiert und verbrochen hat?

Ich jedenfalls werde nicht beichten, denn ich brauche dazu keine alten Männer, die im Beichtstuhl nicht nur ihre Schäfchen mit Fragen penetrieren.

Da halte ich mich doch lieber an den Freigeist Kant:

Zwei Dinge erfüllen das Gemüt mit immer neuer und zunehmender Bewunderung und Ehrfurcht, je öfter und anhaltender sich das Nachdenken damit beschäftigt: der bestirnte Himmel über mir und das moralische Gesetz in mir.

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