Der kleine Marquis de Sade in uns

Ich habe in den letzten Tage eine erschreckende Feststellung gemacht: Jeder Mensch, der sein Leben ernst nimmt ist ein Sadist!

Dies mag jetzt im ersten Moment sehr schrecklich klingen, jedoch musste ich es so formulieren, damit ich die Aufmerksamkeit meiner Leser sofort schnappen kann.

Eingentlich zäume ich nämlich gerade das Pferd von hinten auf, oder wie es der Engländer nun sagen würde, da dieses Sprichwort bei ihm idiomatisch etwas verschoben ist, spanne ich den Karren vor das Pferd.

Also jetzt mal von der richtigen Seite an den Gedanken herantreten:

Da ich in den letzten Tagen ja sehr oft darauf angesprochen wurde, wie ich denn in Zukunft mein Leben gestalten wolle und ob es jetzt nicht der richtige Moment sei alles hinzuschmeißen, sich umzuentscheiden oder sonstigen Killefitt zu tun, habe ich erst einmal festgestellt, dass mein Leben genauso weitergehen wird wie bisher. Und bisher fragt man sich immer noch, was besagter Marquis jetzt wohl mit der Sache zu tun hat. Naja, es war so, dass ich in einigen der Gespräche versucht habe darzustellen, worin für mich der Sinn im Leben liegt. Dabei war meine Argumentationslinie so gestaltet, dass ich versuchte darzustellen, dass heirbei wohl der Weg das Ziel sein sollte und ein Leben eben nur dann Sinn macht, wenn man es gestalten kann und auch Probleme vorhanden sind, die bewältigt werden müssen. Denn ein Künstler hat nur so lange eine Aufgabe, wie er an dem Bild malt. Wenn es fertig ist, verliert das Künstlerdasein seine Existenzberechtigung. Das hieße also dann folglich, dass Probleme im Allgemeinen unser Leben nicht hindern, sondern erst dessen Existenzgrundlage sind und man nur dann “lebt”, wenn man mehr tut außer “stoffwechseln” und “fortpflanzen”, was ja eine rein biologische Definition von Leben wäre (auch wenn bei Einigen das Fortpflanzen beziehungsweise, wenn sie vor ihrem Schrank stehen, das Stoff wechseln wesentlich ausgeprägter sein dürfte, als ihre Freude bei der Konfliktbewältigung).

Jetzt bin ich immer noch nicht bei de Sade…..

Also, nochmal kurz zum Mitschreiben: Der Mensch braucht in seinem Leben Aufgaben und Herausforderungen und wenn er etwas erreicht hat, so verliert er daran schnell das Interesse und will entweder mehr oder etwas anderes. Ebenso, und so langsam nähern wir uns dem Marquis (auch wenn immer noch manch einer fragen wird, wie ich den Bogen wohl hinbekomme), ist es auch bei mir, wenn ich beispielsweise SimCity spiele. Ich baue dann die allerschönsten Prachtstädte mit Sehenswürdigkeiten, Paradestraßen, Naherholungsgebieten, schön optisch geordnet das ganze und attraktiv gestaltet, sowohl für den reichen als auch den armen Bürger. Irgendwann jedoch ist jedoch die Fläche, die man zur Verfügung hat bis zur Gänze erschöpft und man stößt an seine (Stadt-)Grenzen. Man kann dann allerdings die Spielfreude kurzzeitig noch einmal aufflackern lassen, indem man nun durch den Bau von einem U-Bahn-System, das man sich vorher aufgrund zu niedriger Steuereinnahmen nicht leisten konnte, die Infrastruktur verbessert. Wenn dies dann geschehen ist, wird noch das Ansehen in die Höhe getrieben, indem man Sozialmaßnahmen durchführt, die Bildung und das Gesundheitswesen ausbaut, für Freizeitmöglichkeiten sorgt und die Steuern senkt. An diesem Moment im Spiel thront man dann über seiner Stadt, ist zwar pro forma noch Bürgermeister, de facto fühlt man sich jedoch als Gott.

Allerdings ist so ein Gott-Sein recht öde. Denn wenn man die Schöpfung anschaut und sieht, dass alles gut ist, so stellt man dann recht schnell fest, dass man keinen Spaß mehr hat, da man stupide auf das Geschaffene schaut, was zunehmend an Attraktivität verliert.

Deswegen (und jetzt kommt er bald wirklich) nutzt man dann diese niedliche kleine Katastrophenoption und erfreut sich daran, wie die eigene Stadt von Hochwassern, Bränden, Erdbeben, Außerirdischen, Tornados oder ähnlich Schlimmen heimgesucht und zerstört wird. Man mag mir jetzt wirklich Psychopathie nachsagen, aber ich habe es selbst einmal soweit auf die Spitze getrieben, dass ich etwa 50 Atomkraftwerke gebaut habe, nur um herauszubekommen, was bei einem Super-Gau passiert und ich es unverschämt fand, dass man dieses Ereignis dem Zufall des Spiels überlassen muss und nicht selbst auslösen kann. Aber wenn man 50 AKWs hat, ist die Chance recht groß, dass früher oder später eins in die Luft geht.

Zurück zu meinem Gedanken: Das Leben definiert sich sozusagen durch seine Hochs und Tiefs und ist auf diese angewiesen und demnach ist der Mensch dahingehend sadistisch veranlagt, als dass er Geschaffenes immer wieder einreißt, damit er es im Nachhinein wieder aufbauen kann. Oder aber er bekommt es von außen genommen, was allerdings dann nichts mehr mit dem eigenen Marquis zu tun hat.

Das interessante an diesem Gedanken jedoch ist, dass wenn es einen Gott gibt, er genau nach dem selben Prinzip verfährt, wie sonst will man sich die Sinnflut, Sodom und Gomorrha, sämtliche Kriege, Naturkatastrophen und Unfälle kurz das Ganze Übel der welt erklären. Desweitern lässt sich dies auch auf den Geschichtsverlauf transportieren: Kleine Reiche wurden groß und wurden zu gut funktionierenden Zivilisationen um dann wieder unterzugehen. Ich kann jetzt nur für uns hoffen, dass wir noch nicht so zivilisiert sind, wie wir glauben zu sein, denn sonst sehe ich für unsere Zukunft schwarz…. Ups, jetzt bin ich schon wieder bei der Bundestagswahl…. Mist…. also nochmal…. sonst sehe ich auf uns den Untergang schon zurollen… Mist, jetzt bin ich bei der Wirtschaftslage…. also dritter Versuch…. sonst Gnade uns Gott…. Mist, jetzt wird’s wieder Kirchenlastig…..

Ich glaube ich lasse den letzten Satz heute mal sein und höre einfach ohne einen Schlusssatz auf.

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