Eine Woche voller Sonntage

Heute beginnt sie: Die Woche der Scheinheiligkeit und das direkt bei mir um die Ecke in der schönen Domstadt Köln am Rhein.

Die Hochburg von Karneval und CSD bekommt jetzt ein weiteres Großevent, bei dem Männer sich in Fummel schmeißen und Tausende unter einem Motto die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit erlangen. Bunte Fahnen werden gehisst (diesmal jedoch weder die der garden, noch die Regenbogenflagge) und man zieht durch die Straßen. Mit Bedauern musste ich jedoch feststellen, dass diese Parade leider ausschließlich aus Fußgruppen besteht, da sich lediglich ein Teilnehmer auf einem Wagen präsentieren wird und so christlich man auch ist, geizt man dennoch am Wurfmaterial. Noch nicht mal eine simple Kamelle wird es geben , geschweige denn Kondome.

Dazu habe ich heute eine erschreckende Nachricht im Lokalmagazin gehört. Einige der örtlichen Institutionen hatten angeregt, aufgrund der hohen Besucherzahl, die sich ja nun einmal hauptsächlich aus Jugendlichen zusammen setzt, die gerade auf den sexuellen Produktionshöhepunkt ihres Lebens zusteuern und deren Hormone noch ab und an leicht durchzugehen drohen, dass man doch kostenlos wie bei anderen Großereignissen und Projekten der “Begegnung” Kondome verteilen könnte. Dies wurde jedoch von kirchlicher Seite abgelehnt. Also da bleibt einem doch der Atem weg, wie man so ignorant sein kann. Da ich mich ja gerade in letzter Zeit mit dem Thema beschäftigt habe und mir die aktuellen Zahlen bekannt sind bezüglich der Neuinfektionen diverser sexuell übertragbarer Krankheiten, so stellt sich mir die Frage, ob man wirklich der Meinung ist, dass Weihwasser da den adequaten Schutz bieten würde. Aber vielleicht ist es auch nur eine gewisse Überheblichkeit frei nach dem Motto: Wir haben ja weltweit genug Katholiken, macht ja nix wenn wir uns davon ein paar wegvögeln. Hauptsache der Pappa bekommt auf Verdacht im Voraus einen kompletten Krankenhausflur für sich alleine leer geräumt. Da kann man dann nur hoffen, dass, sollte ihm etwas zustoßen, das zuständige Labor für die Blutkonserve, dieses Thema nicht so wegblendet wie er.

Aber was soll dem guten Mann schon passieren außer, dass er sich den Knöcheln umknickt, da er über eine der Blomben an den Kanaldeckeln gestolpert ist, die ja dort als Anti-Terror-Maßnahme angebracht wurden. Wobei ich mich hierbei auch frage, ob es nicht kostengünstiger gewesen wäre einfach ein Team da unten Patroullie laufen zu lassen an den betreffenden Tagen als vorher wochenlang Menschen zu engagieren, die aus der Kölner Kanalisation den reinsten Knüpfteppich machen.

Da ich mich gerade heute mit der Semiotik von Flaggen beschäftigt habe, bin ich einfach einmal auf die offizielle Weltjugendtagsseite gegangen und habe mir deren Erläuterung des Logos angeschaut, da ich mir nicht vorstellen konnte, wie eine so archaische Institution ein so modernes und peppiges Logo rechtfertigen würde. Wie gut, dass solche Zeichen immer einer gewissen Ambiguität obliegen und der Interpretation somit freien Lauf gelassen werden kann. Denn das Kreuz hat für mich weniger mit “Christi Gegenwart” denn mit dem Kreuz, dass uns die Kirche seit Jahrhunderten auf die Schultern legt, zu tun und dessen Rote Farbe ist für mich auch mehr Symbol für das Blutvergießen in der Geschichte der Kirche. Der Dom hingegen gefällt mir recht gut und auch der blaue Bogen, der sich ja noch sehr leicht als Rhein erkennen lässt. Doch ist der Stern wirklich ein Sinnbild der “göttlichen Führung und ist ein Orientierungszeichen”? Oder ist es vielleicht die Vorahnung eines Zeichens aus dem Orient in Form eines herniederkommenden Flugzeugs, dass dann nicht von Gott sondern vielmehr von den Taliban oder sonstwem kommt? Wenn dem so wäre, dann würde es ja dennoch passen, denn es wäre dann ein heiliger Krieg zu einem heiligen Anlass und man wollte den WJT ja sowieso dazu nutzen, sich mit anderen Religionen auseinanderzusetzen.

Ich werde diese Woche dazu nutzen, herauzufinden, ob unsere liebe Stadt diese logistische Generalprobe der Weltmeisterschaft bewältigen kann und sollte dem nicht so sein, dann werde ich wissen, dass ich im nächsten Jahr, wenn es dann über Wochen so voll sein wird am Rhein, frühzeitig flüchte.

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