Make high the door, the gate make wide, it comes the mister of glory

Adventskalender gibt es noch und nöcher: vom Rubbelloskalender bis hin zu bunten Kalendern mit kleinen Schokoladentäfelchen hinter den Türchen oder Päckchen mit wertvollen Geschenken, kleinen Aufmerksamkeiten oder Liebesbekundungen.

In diesem Jahr beschenke auch ich zwei gute Freunde mit Adventskalendern. Da ich mir jedoch nicht so viel leisten kann, verschenke ich das, was ich habe: Wissen und Kreativität. Dem einen schicke ich jeden Tag einen neuen, selbst erfundenen Witz und dem zweiten Freund jeden Tag ein neues Zitat mit einer gewissen Aussage. Das Schöne an letzterem Kalender ist, dass er jedes „Türchen“ in der Form öffnet, dass er mir eine „Abhandlung“ seiner Gedanken zu eben dem von mir zitierten Satz schickt, was mich sehr erfreut, da ich genau weiß, dass er sich somit immer ein wenig von der Seele schreiben kann und ich ihn somit aus den Fesseln des tristen Alltags herausreißen kann und wir nebenher noch weiter an Nähe gewinnen.

Doch eigentlich möchte ich von ganz besonderen Adventskalendern berichten, die mich alljährlich erfreuen. Es sind die Adventskalender, die ich alljährlich von meiner Mutter bekomme, die sich darin jedes Jahr aufs Neue an kreativer Energie übertrifft.

Als Kinder bekamen mein Bruder und ich immer Adventskalender von meiner Patentante, an denen viele Päckchen hingen, gefüllt mit Süßigkeiten und Leckereien. Als wir dafür dann irgendwann „zu alt“ wurden, begann meine Mutter uns, nachdem wir dennoch nicht auf einen solchen Kalender verzichten wollten, uns immer die Türchen mit diversen Crèmepröbchen oder sonstigen nützlichen Dingen zu füllen.

In meinem ersten Jahr in Köln bekam ich dann wieder einen Kalender, der seit dem immer aus den verschiedensten Umschlägen und Päckchen besteht. Seinerzeit befand ich mich in einer Beziehung und mein Freund mochte keine Schokolade, was meine Mutter dazu veranlasste, dass sie die einzelnen Überraschungen außen mit einem kleinen Buchstaben kennzeichnete, so dass man von außen sehen konnte, wann etwas Schokoladiges in dem Türchen war und wann nicht. Somit, so war ihr Gedanke, könne man ja dann, wenn er am 9. bei mir übernachtet, der 10. jedoch Schokolade enthielt, dieses Türchen mit dem 11. tauschen. In den als nicht-schokoladig gekennzeichneten Päckchen war dann auch immer etwas für zwei Personen.

Das schöne an den Kalendern meiner Mutter ist, dass sie einen beim Öffnen immer wieder zum Schmunzeln bringen, denn es ist schon absurd, wenn man ein Päckchen öffnet, in dem sich dann zwei Schmelzkäseeckchen befinden oder aber eine Geschichte zum Vorlesen oder, was in besagtem Jahr eine der schönsten Ideen war, zwei Papiertaschentücher mit weihnachtlichem Aufdruck für die laufende Nase nach der Winterwanderung zusammen mit einem Geldschein um den Kakao danach in einem Café genießen zu können.

Da ich in den letzten Wochen ständig in finanziellen Problemen steckte und zum Teil mit großem Erfindungreichtum meine Mahlzeiten zu gestalten hatte, so hat sie sich dieses Jahr überlegt, mir Dinge in meinen Kalender zu tun, die mich entweder ernähren, aufheitern oder genießen lassen sollen. Somit stehen jetzt hier 24 Überraschungen, die jedoch zum Teil keine Überraschungen sind, da sie außen immer einen Hinweis auf den Inhalt geschrieben hat, um mir die Entscheidung leichter zu machen. „Welche Entscheidung?“, werden sich jetzt alle fragen. Damit hat es folgendes auf sich. Da ich ja momentan sehr wohlüberlegt haushalten muss, hat sie es mir freigestellt, wann ich welches Paket aufmache. Also die offizielle Formulierung war: „Du bist Germanistik-Student im 6. Semester und solltest mittlerweile alt genug sein, deine Türchen selbst koordinieren zu können.“

Somit kann ich jetzt bis zu einem gewissen Grade planen, wann ich was öffne und konnte somit auch einem Besucher, den ich vergangene Woche empfing, auch einen Kaffe mit Milch servieren, obwohl ich eigentlich als Schwarzkaffeetrinker keine mehr im Hause hatte, da ich anhand des Hinweises wusste, dass sich in einem Türchen die Milch befand. Doch bei anderen Türchen bin ich dann wiederum ratlos und sie werden wohl bis zum Öffnen ein Buch mit sieben Siegeln für mich darstellen.

Die Krone des diesjährigen Kalenders ist eine zugeklebte Tüte, deren Inhalt ich nicht im Geringsten erraten kann. Auch der Hinweis bringt mich auf keine Idee und ertasten kann man auch nichts. Warum sollte dies denn jetzt der Höhepunkt des Kalenders sein? Ganz einfach daher, da hier die Verpackung an sich schon etwas ganz besonderes ist, denn meine Mutter hat auf die Tüte außen ihrem lyrischen Können freien Lauf gelassen. Mit einem kleinen Augenzwinkern hat sie mir, da ich ihr ab und an bei Übersetzungen aus dem Englischen behilflich bin und wir auch beide schon immer Anhänger des „English for Runnaways and Afterforsters“ (also für Fortgeschrittene und Hinterwäldler) waren, deutsche Weihnachtslieder ins „Englische“ übersetzt.

Da mich diese Texte so sehr erfreuen, möchte ich passend zur Adventszeit, diese Freude teilen und werde sie hier nun veröffentlichen und somit die Möglichkeit geben, dass ein jeder sie entziffern kann und vielleicht somit auch ein wenig ins Schmunzeln kommt:

Oh fir-tree, oh fir-tree your leaves are very green.

A little rose burst out of a gentle root.

Snowflakes, white skirt, when do you come snowing? You’re falling from heaven, your way is so far.

Daughter of Zion please do enjoy, jubilate noisy you city of Jerusalem.

Advent, advent one candle flamed. First one, than two, than three, than four and if the fifth light blazes on night and day is Christmas evening away.

Santa Clause, I told, you old fellow, put up your legs and hurry up. The candles are shining and it’s open the heavensclub.

Und last but not least, der einzige Begriff des Deutschen mit 5 “tz”: Atzventzkrantzketzenspitze, den sie mit Adventswheelcanldetop übersetzt hat.

Somit wünsche ich allen Lesern dieses Beitrags in ihrem Sinne ein „Happy prenatal Christi!“

Anbei wünscht sie mir dann noch: I wish you’ll learn english so easily like your mother did.

Und sie behält recht, wenn sie schreibt: „That makes me so easy nobody after!“

Doch ganz zum Schluss jetzt wieder eine interaktive Aufgabe, die sie mir gestellt hat und bei der ich, nachdem ich sie gelöst hatte, sehr lachen musste. Es handelt sich ebenfalls um ein Weihnachtslied, dass jedoch nicht ganz so geläufig ist, da es eher in den Bereich der klassischen Musik gehört. Hier ihre Hinweise: A girl dressed man – first letter in abc – puree.

Bin mal gespannt, ob’s jemand raus bekommt.

P.S.: Dieser Beitrag ist der liebsten Mutter der Welt gewidmet der ich somit für diesen ganz speziellen Adventskalender danken möchte. Jetzt dürfte selbst dem Letzten klar sein, von wem ich den Hang zum Unsinn und meine schier endlose Kreativität geerbt habe.

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