Queer as folk – ein erster Eindruck

So, nun ist sie also gelaufen, die erste deutsche Ausstrahlung einer „Queer as folk“ Folge. Ich habe sie mir natürlich angeschaut, da man ja in den letzten Jahren immer wieder davon gehört hatte und ich sehr gespannt war, was mich da wohl erwarten würde. Ich war… überrascht, entsetz und entzückt zugleich.

Entsetzt war ich, allerdings nur anfänglich von der Tatsache, dass hier schwuler Sex fast schon in Schulmädchenreport-Manier ganz hemmungslos gezeigt wird. Es war schon ein ungewohntes Gefühl, beim schauen des normalen Fernsehprogramms geil zu werden. Ich denke, daran wird man sich erst nach einigen Folgen gewöhnen. Nicht, dass es mich stören würde, jedoch verlangt es dem braven deutschen Seriengucker doch schon einiges ab, ganz egal, wie es bei ihm zuhause abgeht.

Eine Frage, die sich natürlich immer bei einer schwulen Serie stellt ist die, in wie weit sie der Realität entspricht. Diesbezüglich kann ich nach der ersten Folge nur konstatieren, dass ich sie für durchaus realistisch halte. Sie zeigt ungeschminkt die verschiedenen Facetten des schwulen Lebens und auch, wenn in der heutigen Folge die Entjungferung Justins eine der Kernszenen war, so denke ich doch, dass man einiges wird erwarten können, da die Charaktere wohl recht mehrdimensional zu sein scheinen und mehr sind als bloßes Abziehbildchen aus dem Zauberkasten der Klischees.

Auch Plot und Dialoge fand ich recht authentisch, denn die Gags waren gut platziert und tauchten nur da auf, wo man sie auch im wahren Leben erwarten würde und das ganze auch in einem lebensnahen Maße – nicht zu viel und nicht zu wenig. Im Gegensatz zu „Will and Grace“ – nicht, dass ich etwas gegen diese Sitcom hätte, ich liebe sie – dessen Konzeption ja mit der Übertreibung gängiger Klischees spielt und sie somit in gewisser Weise ad absurdum führt, war ich bei „Queer as folk“ davon überrascht, dass heikle Aspekte auch problematisiert werden können, ohne sie zu dramatisieren.

Ein weiterer Punkt, den ich einfach klasse finde, ist die Vermischung von Gefühlen, wie ich sie bisher nur bei „Ally McBeal“ kannte. Mehrere Emotionen werden in ein und der selben Folge angesprochen – man wird sentimental, lacht und wahrscheinlich wird ab und an eine Träne fließen.

Ich werde die Serie jedenfalls weiterhin verfolgen und bin gespannt, ob sie meiner Erwartungshaltung, die ich nun nach der ersten Folge aufgebaut habe, gerecht wird – wenn nicht, dann werde ich mich bestimmt nicht zurückhalten können, sie hier zu „zerreißen“.

Ist nur die Frage, wie das deutsche Fernsehpublikum in der Masse sie aufnehmen wird und ob es zu ähnlichem Entsetzen kommt wie in den USA. Man wird sehen…

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