Monthly Archives: September 2008

Wahlen und Qualen

Eigentlich sollte man sich heute ja freuen, denn schließlich ist gestern das Unmögliche wirklich geworden: Zum ersten Mal seit 1949 ist in allen Bundesländern eine funktionierende Demokratie das herrschende Herrschaftsmodel – streng genommen ist dies sogar das allererste Mal in der deutschen Geschichte allgemein der Fall, wenn man einmal vom System der goldenen Bulle absieht, was ja auch in Ansätzen demokratisch war und relativ stabil funktionierte. Da dieser Eintrag jedoch mit „eigentlich“ beginnt, wartet der aufmerksame Leser nun schon gebannt auf das Aber. Dies muss auch nicht lange auf sich warten lassen, wenn man sich die jüngsten Entwicklungen auf den internationalen Finanzmärkten anschaut. Doch warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah? Denn nicht nur war München Mittelpunkt jenes gestrigen Desasters, sondern auch dieses heutigen, welches dazu führte, dass nun auch hierzulande eine private Bank auf die Hilfe vom Staat angewiesen ist, der nun, nachdem man ihm Jahrzehnte übelst nachrief, er solle doch abspecken, doch wieder alle ernähren soll.

Wie gerne würde ich heute noch einmal mit all den tüchtigen BWL-Studenten sprechen, mit denen ich in den letzten Jahren diskutiert habe und die mich seinerzeit mit aufgesetzter Arroganz belächelten, da ich ja als Geisteswissenschaftler gar keine Ahnung haben könne. Wie gerne würde ich sie heute darauf hinweisen, dass ihr hochgepriesener „schlanker Staat“, wenn er denn nach ihren Ideen umgesetzt worden wäre, gar nicht mehr in der Lage wäre, die sich heuer verbreitende Krise zu kitten, geschweige denn irgendwen noch zu retten. Wie gerne würde ich ihnen nun ihre Lehrbücher unter die Nase halten, mit rot geschriebenen Fehleranmerkungen am Rand?

Aber da ich ja als Geisteswissenschaftler sowieso keine Ahnung habe – nur weil ich mich weigere, alles unhinterfragt nachzuplappern, was gerade en vogue ist –, werde ich mir auch dieses Mal meinen Kommentar denken und die kleinen Jungs weiter Monopoly spielen lassen, wissend, dass sie, wenn sie denn die nötige Reife erlangt haben, realisieren werden, dass sie doch besser mal ein gutes Buch gelesen hätten. Eins jedoch sei ihnen als Gedanke mit auf den Weg gegeben: Es gab einmal einen ziemlich blumigen Satz, der uns versprach, dass die Renten sicher seinen. Diesen jetzt in Bezug auf die Banken zu hören, lässt manch einen aufhorchen.

Doch damit befinden wir uns dann auch schon wieder Mitten im weiten Feld der Politik. Auch hier stürzte so mancher Ikarus vom Münchner Himmel. Wahrscheinlich auch, weil jenes Thema auch an diesem nicht vorüberging. Jedoch, wie wir heute gehört haben, sind die Gründe so außerordentlich vielfältig, dass man sie jetzt erst einmal gründlich analysieren muss. Man kann ja nur froh sein, dass Marie-Antoinette Haderthauer uns nicht zu Kuchen geraten hat, jetzt da wir um unser Brot zittern müssen. Und so sieht man nun dunkle Wolken am weiß-blauen Himmel ziehen und erstmalig ist es über ihm schwärzer als unten.

Man darf auf alle Fälle sehr gespannt sein, wessen Köpfe nun rollen und für wen die Guillotine bereit steht. Sollte sich dann die Situation einstellen, dass man keinen würdigen Herrscher für den Freistaat findet, so sei hier der Tipp gegeben: Im Starnberger See müsste noch einer liegen. Allerdings, ob dieser aktuell die richtige Wahl ist, in einer Zeit, in der Menschen Immobilien errichten, die kein Geld zum Bauen haben, sei dahin gestellt. Obwohl er ja damit wieder absolut im Trend läge und ihn somit zumindest oben erwähnte BWL-Studenten freudiger empfangen dürften als damals die südlichen Nachbarn ihren Exportschlager an der Spitze der deutschen Macht.

Doch diese würden auch seit gestern wieder mit Blumenkränzen im Haar am Straßenrand stehen, wenn man sich deren Wahldebakel betrachtet. Während man den oben beschriebenen Ereignissen ja noch etwas Positives abgewinnen kann – denn dass München brandte und man mehr Demokratie wagte und der Geiz des Kapitalismus nun endlich an seine Grenzen stößt, obwohl Geiz schon immer als Todsünde bekannt war, ist ja noch verhältnismäßig erfreulich – lässt dieses Wahlergebnis einen doch mit entsetzter Verwunderung zurück.

Doch wundern muss man sich eigentlich nicht, dass momentan der Ruf nach einer starken Nation wieder laut wird (man bemerke den Unterschied zwischen dieser und dem „starken Staat“, den ich eben indirekt gepriesen habe). Schließlich zeigen oben beschriebene Geschehnisse auf dem Weltmarkt ja, dass die Internationalität gerade jetzt genug Stoff zum Hinterfragen bietet. Ebenso ist es gewissermaßen eine Zwangsläufigkeit, dass in Zeiten einer stetig mächtiger werdenden EU, die Nostalgie an und der Ruf nach der Nation auflebt. Dies ist uns deutschen Nachbarn jedoch nicht so bewusst, da diese Tendenz bei uns um einiges schwächer ausfällt. Das wiederum liegt wohl daran, dass wir nie eine starke Nation hatten, mit Ausnahme der Jahre, an die wir uns nicht erinnern wollen. Wir hatten schon immer einen Bundesstaat, Staatenbund oder Flickenteppich, den wir oft uneinig und vielfältig regierten und uns nie schwer damit taten im Übergang zu leben und unsere Gesetzte auf Provisorien zu stützen. Doch andernorts in Europa sieht dies schon anders aus. Dort werden diese Strömungen anhalten, wenn nicht gar verfestigen bis zu dem Tage, an dem Europa in sich gefestigt auf ein grundsolides Rechtsgebäude verweist. Bis dahin jedoch werden noch so manche Kapriolen zu beobachten sein.

Daher bin ich zuversichtlich, dass mir auch künftig die Themen nicht ausgehen werden, sei es nun aufgrund des Untergangs der bayerischen Demokratur, der internationalen Finanzkrisen, der Seitensprünge nach rechts oder gar dem vielbesagten Linksruck, der vielleicht schon bald nicht mehr nötig sein wird, wenn sich alle privaten Banken in staatlicher Hand befinden und die Herren Beckstein und Huber, da sie gerade ihren Job verloren haben, am Tische des Zentralkomitees der deutschen Kreditinstitute sitzen. Schade für sie ist dann nur, dass es kein staatsähnliches Gebilde in der Nachbarschaft mehr gibt, dem sie dann Kredite vergeben könnten. Wobei sie sowieso dem, der ihnen dann und jetzt als Vorbild dient, nicht das Wasser reichen können.

Was tun Sie hier? – Ich WOHNE hier! – Aber doch nicht um diese Uhrzeit!

Ein herrliches Gesicht, welches Evelyn Hamann in diesem Dialog aufsetzt. Man mag mir verzeihen, dass ich mich erst jetzt melde, aber ich hatte Besseres zu tun. Nämlich eben genau das: Wohnen. Das mag jetzt für den ein oder anderen befremdlich klingen, aber ja – ich habe die letzten Tage damit verbracht zu wohnen. Ok, andere würden es rumgammeln oder faulenzen nennen, allerdings wird wohl der ein oder andere dieses Urteil überdenken, wenn er weiß, was ich gemacht habe, bevor ich gewohnt habe. Richtig – ich habe gehaust. Um jetzt jedoch einmal alle Verwirrung der ersten Zeilen aufzulösen, die ganze Geschichte von vorne:

Vor etwa eineinhalb Jahren bin ich von Köln nach Heidelberg gezogen. Nicht nur, weil mal ein Tapetenwechsel nötig war, sondern vor allem der besseren Uni wegen, was ich auch nie bereut habe, sondern sogar als einen sehr positiven Wechsel ansehe. Jedenfalls blieb beim Umzug so Manches auf der Strecke: Das Klavier wurde verkauft, da es streng gesehen zu wenig genutzt worden ist und auch mein ehemaliges Sofa wurde Opfer des Sperrmülls und jeder der es noch kannte, wird mir zustimmen, dass dies auch dringend überfällig war, da es seinen Dienst als Bett, Partyfläche und Auffangbecken diverser Getränke und Schmutzpartikel seinen Dienst schon lange getan hatte. Somit dezimierte sich mein Hausrat, der wohl überwiegend aus Bücherkisten bestand so weit, dass ein Freund, der beim Umzug half, mit einem ironischen Lächeln den Kommentar fallen ließ: „Es ist schon traurig, dass dein Leben in einen 3,5-Tonner passt.“

In Heidelberg wurde dann alles wieder aufgestellt und das Hochbett zusammen geschraubt. In diesem habe ich dann auch in der ersten Nacht sehr gut geschlafen. Allerdings war das Aufwachen umso unangenehmer und dies nicht nur, weil aufwachen an sich schon eine Last ist, sondern oder gerade weil ich mir beim Aufrichten meines Körpers gehörig den Kopf an der Decke stieß. Dies geschah dann auch an Tag 2, Tag 3 und Tag 4, woraufhin ich beschloss das Bett wieder abzubauen, da ich schmerzlich erfahren hatte, dass die Decke zum einen zu niedrig und der Mensch zum anderen doch nicht in allen Dingen ein Gewohnheitstier ist. Somit besaß ich jetzt weder Bett noch Sofa sondern lediglich eine Matratze. (Nein, ich möchte jetzt nicht einen Spruch a la „Wie der Herr, so’s G’scherr“ hören!!!) Diese lag quasi mitten im Raum, so dass sie als Pseudobett und Pseudosofa ihren Zweck erfüllte. Allerdings sollte dies kein Dauerzustand sein, sondern nur eine provisorische Lösung, denn in der Eifel stand schon ein neues Sofa, welches eine Bekannte ausrangiert hatte und das nur darauf wartete die Reise nach Heidelberg anzutreten.

Ich habe dann mit ihm gewartet, denn – so zeigte schon das Grundgesetzt – nichts ist beständiger als ein Provisorium. So kam es, dass es zwar immer wieder in etlichen Telefonaten hieß, es müsse dann doch einmal bald hierher geschafft werden, doch geschafft wurde dies nie. Also lag ich eben auf dem Boden der Tatsache, dass meine Wohnung nicht eingerichtet war. Anfangs ist dies ja auch noch erträglich, doch mit der Zeit verliert man dann die Lust an der eigenen Wohnung und beginnt diese zu vernachlässigen. Man lässt das putzen, denn wozu? Man ist eher bereit mal etwas rumliegen zu lassen, denn es sieht sowieso immer unordentlich aus mit einer Matratze mitten im Raum. Auch ich selbst wurde träge und las nur noch in Bus und Bahn, da ich im liegen nicht lesen kann ohne einzuschlafen und besagte Matratze, in ihrer Funktion als Sofa, ja direkt vor dem Fernsehgerät lag. Es folgten also eineinhalb Jahre, in denen ich hätte keinen Besuch empfangen können – also ernst zu nehmenden Besuch.

Da ich diesen Zustand dann vor einigen Wochen immer unerträglicher fand, pochte ich darauf, dass bei nächstmöglicher Gelegenheit, das Sofa nun endlich hergeschafft werde. Zudem verfügte ich auch über keinen Werkzeugkoffer – ich hatte einmal über einen verfügt, bis ich ihn verlieh (ja, das was Plusquamperfekt – quamperer geht’s nicht, wie mein alter Deutschlehrer zu sagen pflegte). Demnach blieben auch kleinere Reparaturen aus, was alleine schon damit begann, dass ich die Glühbirne der Flurlampe nicht auswechseln konnte, da mir der Schraubenzieher fehlte um das Glas abzuschrauben und ich wollte mich nicht wieder, wie bei der anderen Lampe in meinem Zimmer mit meiner Metallschere behelfen, bei der ich mit dieser nach einem Wackelkontakt die Lüsterklemmen festmengte – denn Schrauben ist anders. Bilder hingen auch keine und alles in allem war eben noch viel zu tun.

Dies wurde dann vergangenes Wochenende auch getan. Wunder gibt es immer wieder und so kam es zu einigen Neuerungen. Vor dem neuen Sofa wurde dann der Glastisch positioniert und der Fernseher neu platziert. Es wurden weitere Regalmeter gekauft, da auch dies in der Zwischenzeit dringend notwendig wurde. Meine alten Klappstühle, die mit den Jahren die Betonung zu sehr auf die erste Silbe gelegt hatten wurden durch neue nicht klappbare ersetzt und die Bilder wurden aufgehängt. Birnen wurden gewechselt und Blumen wurden aufgestellt. Das in der Ecke stehende Hochbett wurde entfernt und alles in allem, wurde aus meiner Behausung so peu a peu eine Wohnung. Somit sind wir jetzt wieder am Ausgangspunkt angelangt, denn was tut man in einer Wohnung? – Man wohnt! Und wenn man so lange darauf gewartet hat, endlich einmal wieder wohnen zu können, dann wohnt man auch schon ein mal ein paar Tage länger und tut sonst nicht – man könnte sich ja sonst auch nicht auf das Wohnen konzentrieren.

Das einzige, was jetzt noch fehlt, ist ein Bett, doch das kommt morgen. Frisch aus dem Versandhaus bis an meine Haustüre, dort werde ich es dann empfangen und mit meinem neuen Werkzeug eigenhändig zusammenbauen. Das Programm danach ist dann somit auch schon klar. Denn was macht man in einem Bett? Man bettet sich! Daher ist zu befürchten, dass das kommende Wochenende nicht viel produktiver werden dürfte als das letzte.

Probier’s mal mit Gemütlichkeit…

Im Original heißt dieses Lied aus dem Dschungelbuch „The Bare Necessity“, impliziert also, dass man einfach mal bloß das Nötigste tun soll. Doch dieses Nötigste reicht oftmals nicht, wie man heute wieder einmal sehr schön sehen konnte. Ursprünglich wollte ich gestern schon einen Beitrag schreiben, habe diesen jedoch dann nicht geschrieben, so dass mir heute meine gestrige Trägheit insofern gelohnt wurde, dass sich die Meldungen des heutigen Tages fast überschlugen.

Da geht er nun, mein ehemaliger Landesvater, oder wie ihn meine Mutter liebevoll nennt „der dicke Herr Beck“. Einerseits hatte es mich ja seinerzeit gefreut, dass wieder einmal ein Rheinland-Pfälzer nach Berlin durchgeschlagen hatte, allerdings war ich von seiner Amtsführung nie sonderlich angetan. Er schien doch häufig unbeholfen, etwas flappsig und alles in allem hatte man den Eindruck, er sei nicht mit vollem Einsatz bei der Sache. Dies mag dann eben auch gerade an jener erwähnten Gemütlichkeit liegen, die es ja zumindest sprachlich nur in Deutschland gibt und die, so scheint es oft, in von rheinland-pfälzischen Politikern bis zur Perfektion weiterentwickelt wurde. In diesem westlichsten aller Bundesländer – das Saarland mal ausgenommen, da es ja quasi zu den „neuen Bundesländern“ gehört – konnte man seit jeher mit dem geographisch nicht fernen Laissez-faire punkten und kann es noch immer. Der rheinland-pfälzische Politiker muss in der Regel eine Grundtugend mitbringen, um Wahlen zu gewinnen: die Gemütlichkeit.

Das heißt dann vor allem, er muss auf Dorf- und Weinfesten in geselliger Runde am Tisch sitzen und lustig sein – beziehungsweise, es versuchen. Auch wenn die Gefahr besteht, dass man es sich zu gemütlich macht und irgendwann alleine am Tisch sitzt, so ist dies jedoch der Garant, dass man im Amte (und am Tische) bleibt – dies dann zuweilen über Jahrzehnte. Wer dies jetzt für ein Vorurteil hält, betrachte sich den letzten Kanzler, der aus diesem Bundesland kam und den man samt dem Sessel, auf dem er saß aus dem Kanzleramt tragen musste. Wenn es am schönsten ist, soll man aufhören, heißt es in Deutschland. Nicht jedoch in Rheinland-Pfalz, wo der Wahlspruch ist: „Man bleibt so lange, bis es schon nicht mehr schön ist.“ (Auch ich muss gestehen, dass ich zuweilen einen Hang dazu habe und eine echte „Klewkuscht“ bin, wie man in meiner Heimat dazu sagt.)

Jedenfalls konnte man dieses Prinzip auch bei dem gerade resignierten SPD-Vorsitzenden merken. Also sieht er jetzt wieder einer Zukunft als Ministerpräsident entgegen, von dem man wieder diese Weinfest-Tugenden erwartet und schätzt. Ich denke auch, es wird sich leicht wieder in diese alte Rolle einfinden, denn er hat sie immer gut ausgefüllt – politisch wie räumlich. Doch eins hat er aus dieser Sache wohl gelernt – man hätte es sich schon nach der Kohl-Ära denken können: Gemütlichkeit oder auch bloße Notwendigkeit reichen eben nicht im berliner Dschungel. Dort bedarf es Elan, Aufopferung und lauter Worte, großer Gesten eben. Da wird mehr gefordert als halbherzig geäußerte Aussagen oder sich immer wieder gegensätzliche Thesen. Denn so sehr die Dialektik in der Politik Gang und Gäbe ist, so negativer wird sie bewertet, wenn sie nicht von zwei Fronten, sondern von einer Person betrieben wird. Gerade in der Hessenfrage konnte man ja so manchen „Scheiß“ beobachten.

Doch Berlin braucht andere Männer. Männer, die sich auch vernünftig kleiden und regelmäßig rasieren. Somit freut es mich – und das tat es schon am Mittwoch – dass nun der Altmeister wieder zurück ist: Franz Müntefering, die konsequente Weiterführung von Vorgängern wie Wehner oder Brandt. Ein Mann der scharfen Worte, der auch die Stärke hat zu seinem Wort von gestern zu stehen, wenn es heute keine Unterstützung mehr findet und er somit morgen nicht mehr im Amt ist. Ein Vorsitzender, der es immer wieder irgendwie schafft, die doch recht zerstrittene SPD, die zu häufig in verschieden Richtungen treibt, ohne zu wissen, wohin sie eigentlich will, zusammen zu halten. Dass seinerzeit der Königsmord doch möglich war, lag daran, dass einer Rheinland-Pfälzerin, die gegen aller Tradition recht ungemütlich werden kann, wohl klar wahr, dass Kurt Beck von Platzeck nur ein Paarreim entfernt ist in der Liste der SPD-Häupter. Somit ist er damals eher der wacht am Rhein zum Opfer gefallen, die wenn man auf die Karte schaut, von Links an die Spree vorgeprescht ist.

Es bleibt zu hoffen, dass der Designierte das schafft, was dem Resignierten nicht gelang und er die SPD wieder soweit in Reih und Glied geordnet bekommt, dass sie für die im nächsten Jahr anstehenden Wahlen wieder eine wählbare Option darstellt. Dies wird wahrlich keine Leichtigkeit sein, denn um die Partei von A bis Z zu sortieren, muss man wohl oder übel auch am Ypsilon vorbei, was sich noch als eine hinterlistige Hürde herausstellen dürfte. Doch wie ich den alten Klepper vor dem im Schlamm steckenden SPD-Wagen kenne, wird er dieses Hindernis wohl packen, denn nichts wird so heiß gegessen, wie es (aus-)gekocht wird. Und vielleicht werde ich, als bekennender linkslastiger Wechselwähler, dann bei der nächsten Wahl doch kein Kreuz bei den Schwarzen machen.

Wobei es wohl recht unwahrscheinlich ist, dass nach der nächsten Wahl ein Vertreter der geschundenen Partei, den Kanzler stellen wird. Allerhöchstens dürfte es im Extremfall eine linksmehrheitige Kanzlerin geben, denn das könnte in diesem Lanti bis dahin das Nahlesliegendste sein. Steinmeier wird es wohl nicht, denn selbst wenn die SPD aus dem Umfragetief herauskommt, dann doch nur insoweit, als dass sie neben beziehungsweise unter Merkel für weitere vier Jahre den Vizekanzler stellt. Da ist dann schon eher ein schwuler Minister denkbar, der einen eigens hergerichteten Parkplatz für sein Spaßmobil mitten im Regierungsviertel bekommt.

Doch wie Frank-Walter heute in der für manchen Journalisten lang ersehnten Pressekonferenz festgestellt hat, so sind es ja noch 385 Tage bis zur Wahl und in diesem kann noch so vieles passieren, dass jedwede Prognose zum jetzigen Zeitpunkt viel zu früh wäre. Zuvor wird noch an anderen Orten im Lande beobachtet werden können, wie „hesslich“ man an die Macht kommen kann und dass sich nicht jedes Beckstein zum vierhändigen Konzert eignet. Und somit möchte ich nur abschließend, ganz getreu meinem ehemaligen Landesvater, jedoch mit wesentlich mehr Enthusiasmus, meinem persönlichen Funken Hoffnung der linken Mitte zurufen: „Herzlich Willkommen!