Was tun Sie hier? – Ich WOHNE hier! – Aber doch nicht um diese Uhrzeit!

Ein herrliches Gesicht, welches Evelyn Hamann in diesem Dialog aufsetzt. Man mag mir verzeihen, dass ich mich erst jetzt melde, aber ich hatte Besseres zu tun. Nämlich eben genau das: Wohnen. Das mag jetzt für den ein oder anderen befremdlich klingen, aber ja – ich habe die letzten Tage damit verbracht zu wohnen. Ok, andere würden es rumgammeln oder faulenzen nennen, allerdings wird wohl der ein oder andere dieses Urteil überdenken, wenn er weiß, was ich gemacht habe, bevor ich gewohnt habe. Richtig – ich habe gehaust. Um jetzt jedoch einmal alle Verwirrung der ersten Zeilen aufzulösen, die ganze Geschichte von vorne:

Vor etwa eineinhalb Jahren bin ich von Köln nach Heidelberg gezogen. Nicht nur, weil mal ein Tapetenwechsel nötig war, sondern vor allem der besseren Uni wegen, was ich auch nie bereut habe, sondern sogar als einen sehr positiven Wechsel ansehe. Jedenfalls blieb beim Umzug so Manches auf der Strecke: Das Klavier wurde verkauft, da es streng gesehen zu wenig genutzt worden ist und auch mein ehemaliges Sofa wurde Opfer des Sperrmülls und jeder der es noch kannte, wird mir zustimmen, dass dies auch dringend überfällig war, da es seinen Dienst als Bett, Partyfläche und Auffangbecken diverser Getränke und Schmutzpartikel seinen Dienst schon lange getan hatte. Somit dezimierte sich mein Hausrat, der wohl überwiegend aus Bücherkisten bestand so weit, dass ein Freund, der beim Umzug half, mit einem ironischen Lächeln den Kommentar fallen ließ: „Es ist schon traurig, dass dein Leben in einen 3,5-Tonner passt.“

In Heidelberg wurde dann alles wieder aufgestellt und das Hochbett zusammen geschraubt. In diesem habe ich dann auch in der ersten Nacht sehr gut geschlafen. Allerdings war das Aufwachen umso unangenehmer und dies nicht nur, weil aufwachen an sich schon eine Last ist, sondern oder gerade weil ich mir beim Aufrichten meines Körpers gehörig den Kopf an der Decke stieß. Dies geschah dann auch an Tag 2, Tag 3 und Tag 4, woraufhin ich beschloss das Bett wieder abzubauen, da ich schmerzlich erfahren hatte, dass die Decke zum einen zu niedrig und der Mensch zum anderen doch nicht in allen Dingen ein Gewohnheitstier ist. Somit besaß ich jetzt weder Bett noch Sofa sondern lediglich eine Matratze. (Nein, ich möchte jetzt nicht einen Spruch a la „Wie der Herr, so’s G’scherr“ hören!!!) Diese lag quasi mitten im Raum, so dass sie als Pseudobett und Pseudosofa ihren Zweck erfüllte. Allerdings sollte dies kein Dauerzustand sein, sondern nur eine provisorische Lösung, denn in der Eifel stand schon ein neues Sofa, welches eine Bekannte ausrangiert hatte und das nur darauf wartete die Reise nach Heidelberg anzutreten.

Ich habe dann mit ihm gewartet, denn – so zeigte schon das Grundgesetzt – nichts ist beständiger als ein Provisorium. So kam es, dass es zwar immer wieder in etlichen Telefonaten hieß, es müsse dann doch einmal bald hierher geschafft werden, doch geschafft wurde dies nie. Also lag ich eben auf dem Boden der Tatsache, dass meine Wohnung nicht eingerichtet war. Anfangs ist dies ja auch noch erträglich, doch mit der Zeit verliert man dann die Lust an der eigenen Wohnung und beginnt diese zu vernachlässigen. Man lässt das putzen, denn wozu? Man ist eher bereit mal etwas rumliegen zu lassen, denn es sieht sowieso immer unordentlich aus mit einer Matratze mitten im Raum. Auch ich selbst wurde träge und las nur noch in Bus und Bahn, da ich im liegen nicht lesen kann ohne einzuschlafen und besagte Matratze, in ihrer Funktion als Sofa, ja direkt vor dem Fernsehgerät lag. Es folgten also eineinhalb Jahre, in denen ich hätte keinen Besuch empfangen können – also ernst zu nehmenden Besuch.

Da ich diesen Zustand dann vor einigen Wochen immer unerträglicher fand, pochte ich darauf, dass bei nächstmöglicher Gelegenheit, das Sofa nun endlich hergeschafft werde. Zudem verfügte ich auch über keinen Werkzeugkoffer – ich hatte einmal über einen verfügt, bis ich ihn verlieh (ja, das was Plusquamperfekt – quamperer geht’s nicht, wie mein alter Deutschlehrer zu sagen pflegte). Demnach blieben auch kleinere Reparaturen aus, was alleine schon damit begann, dass ich die Glühbirne der Flurlampe nicht auswechseln konnte, da mir der Schraubenzieher fehlte um das Glas abzuschrauben und ich wollte mich nicht wieder, wie bei der anderen Lampe in meinem Zimmer mit meiner Metallschere behelfen, bei der ich mit dieser nach einem Wackelkontakt die Lüsterklemmen festmengte – denn Schrauben ist anders. Bilder hingen auch keine und alles in allem war eben noch viel zu tun.

Dies wurde dann vergangenes Wochenende auch getan. Wunder gibt es immer wieder und so kam es zu einigen Neuerungen. Vor dem neuen Sofa wurde dann der Glastisch positioniert und der Fernseher neu platziert. Es wurden weitere Regalmeter gekauft, da auch dies in der Zwischenzeit dringend notwendig wurde. Meine alten Klappstühle, die mit den Jahren die Betonung zu sehr auf die erste Silbe gelegt hatten wurden durch neue nicht klappbare ersetzt und die Bilder wurden aufgehängt. Birnen wurden gewechselt und Blumen wurden aufgestellt. Das in der Ecke stehende Hochbett wurde entfernt und alles in allem, wurde aus meiner Behausung so peu a peu eine Wohnung. Somit sind wir jetzt wieder am Ausgangspunkt angelangt, denn was tut man in einer Wohnung? – Man wohnt! Und wenn man so lange darauf gewartet hat, endlich einmal wieder wohnen zu können, dann wohnt man auch schon ein mal ein paar Tage länger und tut sonst nicht – man könnte sich ja sonst auch nicht auf das Wohnen konzentrieren.

Das einzige, was jetzt noch fehlt, ist ein Bett, doch das kommt morgen. Frisch aus dem Versandhaus bis an meine Haustüre, dort werde ich es dann empfangen und mit meinem neuen Werkzeug eigenhändig zusammenbauen. Das Programm danach ist dann somit auch schon klar. Denn was macht man in einem Bett? Man bettet sich! Daher ist zu befürchten, dass das kommende Wochenende nicht viel produktiver werden dürfte als das letzte.

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