David Fincher’s „The Shallows“

Wäre ich Lehrer, würde ich morgen meine Klasse eine dialektische Erörterung schreiben lassen zum Thema Facebook und könnte mir sicher sein, dass weit über die Hälfte mir Besseres liefern würden, als das, was ich soeben in „The Social Network“ zu sehen bekam. Was soll uns dieser Film sagen? Mehr Aussage, als dass Mark Zuckerberg irgendwie ein Arschloch ist, steckt in dem Film nicht drin – selbst diese Aussage wird dann wieder durch den Film selbst eingeschränkt, weil er ja dann doch nicht so schlimm rüber kommt. Aber alles in allem ist der Film recht seicht. Nett für zwei Stunden Kino, die ich mir viel zu selten gönne, aber nicht nett genug um ihn mir mehrfach anzuschauen.

Die einzige Szene, die mich zum Nachdenken angeregt hat, war, als Mark von einem Freund gefragt wird, ob eine entfernte Bekannte einen Freund habe und er daraufhin mit der soeben gewonnenen Erkenntnis, dass die Einstellung des Beziehungsstatus essentieller Bestandteil von Facebook zu sein habe, aufspringt, um diese in die Seite zu implementieren. Diese Einstellung geht wenigstens etwas über das sonst im Film anzutreffende Harvard-Geplänkel, das man in fast jedem zweiten amerikanischen Film zu sehen bekommt, hinaus. Hier kann man wenigstens noch intellektuell mit arbeiten, indem man sich das Phänomen vor Augen führt, wie aus einer sorglos gestellten, eigentlich nebensächlichen Frage, eine Idee entsteht, die dann fundamentale Konsequenzen für das Projekt hat.

Dabei wäre es so einfach gewesen, mit zwei, drei kleinen Szenen, dem Film ein Vielfaches an Tiefe zu verleihen. Beispielsweise wird auf die Frage, was Menschen dazu treibt, sich virtuell vor anderen zu offenbaren, nicht oder kaum eingegangen. Auch hätte man mit einer kleinen Nebenhandlung einiges an Fragen hinsichtlich des sozialen Drucks, der durch Facebook entstanden ist, aufwerfen können:

Eine Schülerin wird von ihren Freundinnen aufgefordert, sich doch auch endlich bei Facebook anzumelden, doch ihr ist dies suspekt und sie weigert sich. Als ein paar Tage später alle von der tollen Party am Vorabend erzählen, stellt sie fest, dass alle ihre Freundinnen dort waren. Als sie diese mit der Frage konfrontiert, warum ihr denn niemand bescheid gegeben habe, sie per SMS oder Anruf informiert hätte, bekommt sie zur antwort: „Wir haben es doch bei Facebook gepostet.“ Sie legt sich daraufhin ein Profil an.

Eine solche Szene und vielleicht ein paar weitere kritische Töne, hätten „The Social Network“ zu einem den-musst-du-gesehen-haben-Film werden lassen können. Auch wenn mir bewusst ist, dass ich diesen Film sowieso hätte keinem empfehlen müssen, da aller Vorraussicht nach eh jeder hineinstürmen wird, so hätte es mich doch gefreut, wenn ein sinnvoller Film entstanden wäre, der auch über die Person Mark Zuckerberg hinaus, kritisch Stellung bezieht.

Leider lässt der Film diesen Mut vermissen und gibt sich damit zufrieden, eine seichte Nacherzählung zu sein, von Fakten, die wir mittlerweile durch Berichte, Artikel und Bücher der letzten Monate alle kennen und die zudem wohl nicht so geschehen sind. Dennoch wird der Film“The Social Network“ Besucher anziehen – eben weil es um Facebook geht. Doch genau damit bestätigt David Fincher das, was Nicholas Carr in seinem Buch behauptet: Wer sich zuviel mit Facebook beschäftigt, verliert die Fähigkeit zum tieferen Nachdenken.

In Ermangelung eines Dislike-Buttons bleibe ich daher beim traditionellern Urteil: Thema verfehlt.

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